Ernst Moritz Arndt Debatte Universität Greifswald

“Uni ohne Arndt” — Kampagne für die Ablegung des Namenspatrons “Ernst Moritz Arndt” an der Uni Greifswald

Zeitraum: 2009–2010
Auf­gaben: Strate­gie, Pressear­beit, Aktion, Events, Web­site
Plat­tfor­men: Medi­en, Straße, Stu­di-VZ, Blog
Part­ner: Mit­stu­dentIn­nen, Kün­st­lerIn­nen, Wis­senschaft­lerIn­nen

Was ist das?

In ein­er ein­jähri­gen Kam­pagne engagierte sich ein bre­ites Bünd­nis aus Stu­dentIn­nen an der Uni Greif­swald gegen den ras­sis­tis­chen und anti­semi­tis­chen Namenspa­tron „Ernst Moritz Arndt“.

Ich war als Sprech­er der Ini­tia­tive aktiv und organ­isierte eine umfan­gre­iche Medi­en­ar­beit. Eine knappe Mehrheit im Sen­at lehnte die Able­gung des Namens 2010 ab. Erst 2018, im drit­ten Anlauf, gelang die Umbe­nen­nung.

Hintergrund

Kein Gerin­ger­er als Her­mann Göring ver­lieh 1933, im Jahr der Machter­grei­fung der NSDAP, der Uni­ver­sität Greif­swald den Namen „Ernst Moritz Arndt“.

Wohl nicht zufäl­lig, denn in Arndts Büch­ern find­en wir dumpfen Ras­sis­mus, Aufruf zu Volk­shass, völkischen Nation­al­is­mus und, sich über ganze Kapi­tel erstreck­enden, Anti­semitismus.

Immer mal wieder forderten einzelne Stim­men nach 1990 die Stre­ichung des Namens. Doch die Uni­ver­sität­sleitung lehnte dies stets mit der Sorge um den Ruf der Uni ab.

Symbol: Sebastian als „E.-Moritz Arndt“

Die wohl spek­takulärste Aktion ver­anstal­teten wir gle­ich zu Beginn. Dazu verklei­dete ich mich als Ernst Moritz Arndt und ver­las seine Texte vor der Men­sa.

Orig­i­nal und ungekürzt, ver­stärkt nur durch ein Mikro­fon. Die Polizei wurde daraufhin von dutzen­den besorgten Bürg­erIn­nen informiert, dass vor der Men­sa „wohl die NPD einen Stand habe“ bzw. dass dort „Volksver­het­zung“ betrieben werde.

Wir hat­ten unser Ziel erre­icht: Arndt wurde von den Bürg­erIn­nen selb­st als Ras­sist iden­ti­fiziert.

Erfolge

  • Bere­its im Juni 2009 – auf der wohl größten Vol­lver­samm­lung der Studieren­den­schaft bis heute – stimmten 95 % der Anwe­senden für die Able­gung des Namens „Ernst Moritz Arndt“.
  • Das Studieren­den­par­la­ment verpflichtete sich und den AStA daraufhin, den Namen nicht mehr zu ver­wen­den.
  • 700 Stu­dentIn­nen trat­en Ini­tia­tiv-Grup­pen auf Stu­di-VZ und Face­book bei.
  • Hun­derte ver­fassten per­sön­liche Botschaften im Gäste­buch der Uni-ohne-Arndt-Web­site.
  • His­torik­erIn­nen aus ganz Deutsch­land, Medi­en, Musik­erIn­nen und Kul­turschaf­fende unter­stützten unser Anliegen.
  • NPD, Stahlhelm, die DVU und Burschen­schaften kämpften gegen uns.
  • Spiegel Online, DIE ZEIT, Süd­deutsche, Neues Deutsch­land, Deutsch­landra­dio und andere lobten das mutige Engage­ment der Stu­dentIn­nen.
  • Sog­ar inter­na­tion­al gab es Berichte: Jüdis­che Zeitun­gen in Israel und den USA hofften auf die Able­gung des Namens. Auch ein franzö­sis­ch­er Blog, spanis­che Medi­en und sog­ar eine Nachricht­e­na­gen­tur in Chi­na berichteten von der wilden Debat­te zwis­chen Stu­dentIn­nen und recht­skon­ser­v­a­tiv­en bis recht­sex­tremen Kreisen.
  • Obwohl sich 2010 der Sen­at der Uni­ver­sität zunächst sper­rte, fol­gte 2018 ein neuer Sen­at dann doch unser­er Argu­men­ta­tion. Der Name wurde inzwis­chen gestrichen.

Zahlen

700
Stud. Unter­stützerIn­nen

29
Wis­senschaft­lerIn­nen, die unsere The­sen belegten

100+
schriftliche State­ments für die Umbe­nen­nung

2
Aktenord­ner voll mit Medi­en­bericht­en

Video

Audiomitschnitt der Aktion vom webMoritz Podcast

Weiterführende Links

Uni ohne Arndt – Kam­pag­nen-Seite

Uni Greif­swald benen­nt sich um